Als Urlaubsziele immer beliebter: Schwarzwald, Hochrhein und Bodensee

Als Urlaubsziele immer beliebter: Schwarzwald, Hochrhein und Bodensee

von Holger Hagenlocher

Trend zu mehr Kurzreisen führt zu steigenden Übernachtungszahlen

Das beliebte Feriendorf Öfingen bei Bad Dürrheim im Schwarzwald-Baar-Kreis beherbergt Jahr für Jahr tausende Urlaubsgäste
Das beliebte Feriendorf Öfingen bei Bad Dürrheim im Schwarzwald-Baar-Kreis beherbergt Jahr für Jahr tausende Urlaubsgäste

Die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor in Baden-Württemberg wird noch immer unterschätzt. Dabei arbeiten im Südwest-Staat inzwischen mehr Menschen im Bereich des Tourismus als in der Automobilwirtschaft. Nach einer Erhebung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr (dwif) an der Universität München bietet die Branche im Ländle über 326.00 Vollzeitarbeitsplätze. 2007 lag die Zahl der Vollzeitarbeitsplätze noch bei rund 280.000. Damit entwickelt sich die Tourismusbranche immer mehr zum Jobmotor und eröffnet besonders im ländlichen Raum vielen Menschen eine berufliche Perspektive.

Vielseitige Kulturlandschaft am Bodensee zieht Touristen an

Allein in der internationalen Bodenseeregion, also der Vier-Länder-Region Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein, leben nach Berechnungen des dwif mindestens 60.000 Personen vom Tourismus. Bereits 2013 zählte man dort über 17 Millionen Übernachtungen, davon über 12 Millionen auf der deutschen Seite. Und die Tendenz ist weiter steigend. Alleine die Region Hochrhein-Bodensee, die den westlichen Teil des Bodensees, den Hochrhein bis Lörrach sowie weite Teile des Südschwarzwalds abdeckt, meldet für das Jahr 2017 über 5,2 Millionen Übernachtungen.

Blick vom Naturfreundehaus Markelfingen auf die Halbinsel Mettnau bei Radolfzell am Bodensee
Blick vom Naturfreundehaus Markelfingen auf die Halbinsel Mettnau bei Radolfzell am Bodensee

Bernhard Nattermann, Tourismusexperte bei der IHK Bodensee-Oberschwaben bestätigt den Trend: „Die vielseitige Kulturlandschaft rund um den Bodensee zieht immer mehr Menschen an“, so Nattermann, der auf die wirtschaftliche Relevanz in der in weiten Teilen eher ländlich geprägten Region Bodensee-Oberschwabens hinweist: „In Baden-Württemberg beträgt der Anteil des Tourismus an der Bruttowertschöpfung nach Angaben des Statistischen Landesamts knapp 4 Prozent. In der Region Bodensee-Oberschwabens ist die Bruttowertschöpfung aber etwa doppelt so hoch als im Landesdurchschnitt und liegt zwischen 7 und 8 Prozent.“ Zudem äußert er die Annahme, dass auf der deutschen Bodenseeseite mehr als 15.000 Personen vom Tourismus leben. Noch ausgeprägter ist im Schwarzwald die Bedeutung des Tourismus. Das Marketingkonzept 2020 der Vermarktungsgesellschaft Schwarzwald Tourismus aus dem Jahr 2016 nennt den Tourismus gar den wichtigsten Wirtschaftszweig der Region, der einen jährlichen Netto-Umsatz von 5,9 Milliarden Euro erwirtschafte und für über 127.000 direkte und 383.00 indirekte Arbeitsplätze sorge.

Trend zur Kurzurlauben

Der Trend zu Kurzurlauben begünstigt das Ansteigen der Übernachtungszahlen. Hier setzen die Strategien der verschiedenen Tourismus-Regionen an. Bertram Paganini, Tourismus-Spezialist bei der IHK Hochrhein-Bodensee, sieht hier weiteres Potenzial. „Wir müssen vor allem daran arbeiten, unsere Gäste für einen längeren Aufenthalt zu begeistern.“ Dabei setzt er weiter auf den Qualitätstourismus. „Wir gehören zu den wärmsten Regionen und bieten mit Natur, Genuss, Kultur, Sportmöglichkeiten und zahlreichen Wellness-Angeboten vieles, was für eine längere Aufenthaltsdauer spricht.“

Region Schwarzwald-Baar-Heuberg will Geschäftsreisende zu Urlaubern machen

Abendstimmung auf der Baar
Abendstimmung auf der Baar

Auch in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg macht man sich Gedanken zur strategischen Ausrichtung. Die Region, die westlich von den Höhen des Schwarzwalds bis zur Schwäbischen Alb im Osten reicht, beherbergt zahlreiche Industrieunternehmen. So übernachten ganzjährig vor allem Geschäftsreisende aus dem In- und Ausland in der Gegend, ohne sich wirklich auf die Schönheiten der Natur, die Erholungsmöglichkeiten oder das kulturelle Angebot einzulassen. Die IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg hat die Situation in einer eigenen Studie zum „Wirtschaftsfaktor Tourismus“ untersucht. Dabei kamen die Autoren zum Schluss, dass sich weiteres Potenzial für Tourismusgäste daraus ergebe, wenn Geschäftsreisende dazu animiert würden, ihren Aufenthalt um erholsame Ferientage zu verlängern. Zusammen mit allen Akteuren der Tourismusbranche will die IHK deshalb maßgeschneiderte Angebote für diese Zielgruppe entwickeln. „Politik und Verwaltung müssen für die Bedeutung des Tourismus sensibilisiert werden, denn Tourismusförderung ist gleichzeitig Standortförderung“, gibt Anne Lena Spreitzer, Projektleiterin Tourismus der IHK zu bedenken. „Die touristische Infrastruktur kommt nicht nur den Gästen, sondern auch den Bewohnern zugute“, so Spreitzer. „Von Steuereinnahmen durch das Gastgewerbe und die Freizeiteinrichtungen profitiert der öffentliche Haushalt. Und Touristen tätigen ebenfalls Ausgaben in anderen Branchen wie dem regionalen Einzelhandel und Dienstleistungsunternehmen.“

Tourismusgesellschaft im Hochschwarzwald verdreifacht Umsatz binnen acht Jahren

Schneebedecktes Schwarzwaldhaus im Hochschwarzwald
Schneebedecktes Schwarzwaldhaus im Hochschwarzwald

Allein im Bereich des Hochschwarzwalds konnten 2016 fast 3,7 Millionen Übernachtungen und rund 5,5 Millionen Tagesgäste verzeichnet werden. Hochgerechnet ergibt sich aus diesen Touristenzahlen nur für den Hochschwarzwald ein Bruttoumsatz von über 470 Millionen Euro und damit ein beachtlicher Beitrag zur Wertschöpfung. Dort zeigt sich auch, dass sich ein strategisches Engagement lohnt. Der Umsatz der eigens gegründeten Hochschwarzwald Tourismusgesellschaft hat sich in den acht Jahren seit der Gründung verdreifacht. Dabei wurde unter anderem ein umfassendes E-Mobilitätskonzept mit einem flächendeckenden E-Bike-Netz mit mehr als 100 E-Bikes zur kostenlosen Nutzung sowie einem E-Carsharing mit E-Smarts und 24 BMW i3 aufgebaut, die an einem Ladenetzwerk mit Strom aus erneuerbaren Energien flächendeckend aufgeladen werden können. Neben der E-Mobilität wird zudem auf die digitale Kommunikation gesetzt und dazu eine Hochschwarzwald-Reiseführer-App entwickelt sowie ein Netz von WLAN-Stationen im Hochschwarzwald ausgebaut. Der Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismusgesellschaft, Thomas Rudolph, will die Marke Hochschwarzwald auch weiterhin erfolgreich und nachhaltig entwickeln. So findet die Vermarktung unter anderem durch Auslandsrepräsentanzen in China, Großbritannien, Spanien oder in den USA statt. Dazu kommen weltweite Beteiligungen an Messen und Roadshows.