Die Industrie als Treiber für Innovationen

Industrie als Treiber für Innovationen

Die Industrie bleibt tragende Säule der regionalen Wirtschaft

Industrieprodukte Foto: Holger Hagenlocher
Industrieprodukte             Foto: Holger Hagenlocher

von Holger Hagenlocher

Über ein Fünftel der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung wird derzeit in Deutschland von der Industrie erbracht. Und in keiner europäischen Region ist das verarbeitende Gewerbe wichtiger als in Baden-Württemberg. Der einst prognostizierte Wandel zur reinen Dienstleistungsgesellschaft ist nicht eingetreten. Die Industrie stellt nach wie vor zahlreiche Arbeitsplätze, ist ein Treiber für Innovationen und wichtiger Steuerzahler.

 

Industrie profitiert von Kooperationen mit Hochschulen

Alexander Graf, Leiter des Geschäftsfelds Standortpolitik bei der IHK Hochrhein-Bodensee, sieht den Standort gut aufgestellt. Eine besondere Stärke des Standorts am Bodensee und Hochrhein sei die Nähe zu vielen Hochschul-Standorten
Foto: IHK Hochrhein-Bodensee

Auch im Landkreis Konstanz ist die Industrie eine tragende Säule für die regionale Wirtschaft und als Branche ein wichtiger Arbeitgeber. Im Jahr 2017 gab es in der Region Hochrhein-Bodensee laut IHK im produzierenden Gewerbe über 78.600 Beschäftigte, im Landkreis Konstanz über 28.500. Ein Jahr zuvor waren es rund 76.900 Beschäftigte in der Kammerregion und über 27.400 im Landkreis Konstanz. „Aufgrund der positiven Entwicklung der vergangenen Jahre und den aktuellen Zahlen ist es absehbar, dass wir auch im Jahr 2018 mit einem leichten Wachstum bei den Beschäftigtenzahlen rechnen können.“, prognostiziert Alexander Graf, Leiter Geschäftsfeld Standortpolitik, Geschäftsführer Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee (IHK).
Nach seiner Ansicht sei eine besondere Stärke des Standorts am Bodensee und Hochrhein die Nähe zu vielen Hochschulstandorten. Hier können Kooperationen mit Unternehmen gebildet und Wissen ausgetauscht werden. Dies finde, so Graf, im Bodenseeraum beispielweise mithilfe der Netzwerke CyberLAGO (Digitalwirtschaft und IT) und BioLAGO (Life-Science) statt.

Fachkräftemangel in den technischen Berufen spürbar

Am Standort im Landkreis Konstanz schätzt Joachim Maier, Geschäftsführer der WEFA Group, vor allem die gute Infrastruktur und die dynamische Entwicklung.
Foto: Holger Hagenlocher

Ähnlich sieht es auch Joachim Maier, Geschäftsführer der Wefa Group in Singen, der den Standort mit seiner guten Infrastruktur und dynamischen Entwicklung ebenfalls schätzt. Die WEFA Group ist internationaler Marktführer im Bereich beschichteter Strangpresswerkzeuge und beschäftigt derzeit rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. “Als innovationsgetriebenes Unternehmen haben wir einen kontinuierlichen Bedarf an qualifizierten und kundenorientierten Mitarbeitern”, so Maier. “Hier spüren wir den Fachkräftemangel vor allem in den technischen Bereichen sowie bei den technischen Ausbildungsberufen.” Bei den Auszubildenden seien vor allem mathematisches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen wichtig. 

Digitalisierung als Gefahr für erfolgreiche Geschäftsmodelle

Auch IHK-Experte Graf sieht im Fachkräftemangel eine der größten Herausforderungen. Besonders IT-Fachkräfte, Mechatroniker und Elektroniker würden gesucht. Das betrifft sowohl dual ausgebildete Fachkräfte als auch Hochschulabsolventen.
Wie wichtig gute und qualifizierte Fachkräfte sind, wird deutlich, wenn es um das Mega-Thema Digitalisierung geht. Die digitale Transformation von

WEFA - Industrieroboter im Einsatz Ein Roboter ist in der Fertigung keine Seltenheit mehr. Hier bei WEFA in Singen - zur Sicherheit hinter Gittern. Die digitale Transformation der Geschäftsprozesse zur Industrie 4.0 ist mitentscheidend für den Erfolg der Fertigungsbetriebe. Bildquelle: Holger Hagenlocher
WEFA – Industrieroboter im Einsatz
Ein Roboter ist in der Fertigung keine Seltenheit mehr. Hier bei WEFA in Singen – zur Sicherheit hinter Gittern. Die digitale Transformation der Geschäftsprozesse zur Industrie 4.0 ist mitentscheidend für den Erfolg der Fertigungsbetriebe.
Foto: Holger Hagenlocher

Geschäftsprozessen beschleunigt den internationalen Wettbewerb und kann dazu führen, dass bisher erfolgreiche Geschäftsmodelle zerstört werden. Inwieweit die regionale Industrie hinsichtlich der Digitalisierung konkurrenzfähig aufgestellt ist, lässt sich in der Gesamtheit nicht sagen, so Graf: “Hierzu wurden bisher keine Daten erhoben, die mit Zahlen zu belegen sind.” Er verweist aber auf Ausgründungen von Hochschulen, die sich intensiv mit dem Thema Industrie 4.0 beschäftigen. Diese seien gute Partner für Industriebetriebe.

Ein Blick in die Produktionshalle am neuen Firmensitz von RAFI Dekotec in Steißlingen. Fertigungsbetriebe wie diesen finden sich zahlreich in der westlichen Bodensee-Region.
Foto: Holger Hagenlocher

Nachholbedarf beim Breitbandausbau

Eine große Herausforderung sei allerdings der flächendeckende Breitbandausbau. “Sowohl in städtischen als auch ländlichen Regionen gibt es Nachholbedarf”, beklagt der Leiter der Standortpolitik bei der IHK. Dies bestätige auch das IHK-Unternehmensbarometer Digitalisierung, das ganz Deutschland erfasst. “Das Barometer zeigt auch, dass die Unternehmen viele Fragen zur Rechtssicherheit haben, insbesondere im wirtschaftlichen Umgang mit Daten.”
Laut Wefa-Chef Maier hat die Digitale Transformation im Sinne des Überbegriffs „Industrie 4.0“ in seinem Unternehmen bereits seit einiger Zeit

Die WEFA Group ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Die Suche nach geeigneten Fachkräften stellt für das Singener Unternehmen eine Herausforderung dar.
Foto: Holger Hagenlocher

Einzug gehalten. “Die Digitalisierung ist Teil unserer Strategie”, so Maier. “Hierbei planen wir die umfassende und automatisierte „Connectivität“ mit dem Kunden, die effizient Gestaltung der innerbetriebliche Prozesskette, aber auch ein „Wissensmanagementsystem“ für den schnellen Zugriff auf alle relevanten Daten.”